Montag, 29. Oktober 2007

Der Flug und das ersehnte Wiedersehen...

Heute Morgen war es also soweit, Abflug nach Singapur. Jetzt schwebe ich auf einem weißen Wolkenmeer und lasse die Sonne langsam zurück. Es sieht so unbeschreiblich schön aus. Die Wolken sehen aus wie Watte, ab und zu kann man ein Stückchen Land erkennen und der Himmel strahlt in so vielen Farben. Aber ich würde sagen, ich fange einfach mal ganz von vorne an.

Gestern Abend hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit meinem WG-Kollegen. Er verabschiedete sich ganz lieb von mir und wir haben noch über Gott und die Welt geredet. Warum redet er plötzlich mit mir? Außer Fragen zu stellen, wo die Fernbedienung liegt oder ob man etwas für ihn tun kann. Ich hätte mich über solche Gespräche wie gestern Abend sehr gefreut und wären doch eher eine geistliche Bereicherung, zumindest im Bereich Sozialkompetenzen, als ständig nur vor der Glotze zu hängen. Naja, dann hab ich halt das Internet doch für ein eingeschaltet. Erst wollte ich ja einen Stecker am TV lockern, dann hab ich mir überlegt das Internet abzustellen, aber ich hab es dann doch gelassen, bin einfach eine zu gute Seele.

Nachdem ich gestern alles schon 185-mal kontrolliert hatte, on ich auch an alles gedacht und eingepackt habe, ging ich noch ein letztes Mal den Rucksack durch. 19 Kilo die große Tasche und mein Handgepäck wiegt auch gerade mal drei kg. Nicht schlecht sage ich da nur. Um kurz nach Mitternacht wollte ich dann ernsthaft schlafen, aber wie geahnt bekam ich kein Auge zu. Meine eigentlich müden Äuglein blickten stets auf die Uhr um sicherzugehen nicht zu verschlafen. Denn das würde ja bedeuten zu spät zum Flughafen zu kommen, den Flieger zu verpassen und meinen Schatz nicht zu sehen. Nein darauf habe ich schon viel zu lange gewartet, da bleibe ich doch lieber wach! Völlig übermüdet und mit einem Puls von vielleicht zehn machte ich mich also um kurz vor sechs startklar.

Meine Schwester hat mich dann zum Flughafen gebracht. Und ich muss gleich dazu sagen, ohne sie wäre ich aufgeschmissen gewesen. Nachdem wir unseren Schalter gefunden hatten, an dem die Koffer abgegeben werden, traf mich fast der Schlag: Menschen au masse! Eine Warteschlage um fünf Ecken, das kann nur stunden dauern, dachte ich mir. Und zudem fand ich die Schlösser für meinen Rucksack nicht. Pardon, Krümel heißt das Stauwunder in rot. Ich war mit den Nerven am Ende. Doch dem Schwesterchen sei dank und einer Zigarette haben sich beide Probleme in Luft aufgelöst. Die Vorhängeschlösser wurden aufgefunden und die Schlange minimierte sich flott, so dass ich auch schon bald an der Reihe war. Ich klatschte meine Pässe und sämtliche Tickets auf den Tresen des jungen Mannes und fragte, was er denn alles von mir brauchen würde. Er blätterte wild durch meine Unterlagen und schickte mich dann zum richtigen Gate. Schnell noch die Stützstrümpfe überstülpen, wegen Thrombosegefahr und dann zur Durchsuchung. Alles völlig unspektakulär. Rucksack in ne Kiste, durchs Tor das nicht piept, Rucksack abholen und dann in den richtigen Warteraum der Fluglinie sitzen und warten bis man gebeten wird einzusteigen.

Ich habe die Reihe 17 erwischt und musste als fast Letzte einsteigen, da die Maschine, begonnen bei den Firstclassmenschen und dann von der letzten Reihe an aufgefüllt wurde. Also begab ich mich auf die Suche nach meinem Plätzchen. Hab ihn gefunden und was sehe ich da? Es sitzt ein netter, junger Mann neben mir, der mir noch geholfen hat meine sieben Sachen zu verstauen. Denn ein Kissen, Decke, Sicherheitshinweise und so weiter lagen auf dem Sitz. Wir fingen uns gerade an zu unterhalten, da stand plötzlich ein großer, schlaksiger Freak neben uns und meinte einer von uns säße falsch. Arschkeks, man kann einem aber auch alles versauen. Also sitz ich jetzt anstelle eines jungen, hübschen, gutriechenden, schön gebräuntem Burschen neben einem stinkenden, rotzhochziehenden Ekelpaket, sodass ich ständig rechts aus dem Fenster sehen und an meinem Parfum schnüffeln muss, damit ich nicht gleich kotze. Und zu all dem Überfluss sitze ich direkt am Flügel unseres Riesenvogels. Was will ich machen, da muss ich durch. Aber als kleine Entschädigung habe ich wenigstens einen netten Steward. Ein Quatarer nehme ich an. Sehr freundlich, zuvorkommend und professionell. Ständig wird man gefragt, was man denn zu trinken möchte oder es wird einem ein heißes Erfrischungstuch in die Hände gedrückt. Zum Start gab es ein Bonbon für die Nerven und später dann das „Menü“. Ich hatte Spinat-Käse-Tortellini, ein Käsebrötchen, ein Stück Kuchen und was Süßes. Das hört sich jetzt echt viel an, in Wirklichkeit aber sind das eher Häppchen. Aber ich muss sagen es war lecker, wenn man bedenkt so hoch über der Erde zu essen.

Nun ist es draußen stockduster, mein Nebensitzer rötzelt vor sich hin, der Steward lässt sich auch nicht mehr blicken, also schlage ich mir nun vor einen Film in meinem eigenen Monitor zu sehen.

Nach der geglückten Landung, halleluja, bin ich nun am Zwischenstoport Doha angelangt. Ich stehe zwischen hunderten von Arabern in weißen Tüchern eingehüllt und versuche mich zu orientieren. Überall Gates und Duty-free-Shops. Aber als allererstes statte ich den Toiletten einen Besuch ab. Direkt daneben befand sich auch ein Smoking-Room, in dem jede Menge Araber saßen, sich unterhielten und genüsslich eine Zigarette nach der anderen rauchten. Man konnte fast nichts mehr sehen, vor lauter Nebel und Qualm. Trotzdem spürte ich die blicke, die ich auf mich zog. Am ganzen Flughafen wurde ich begafft, wie ein nie zuvor gesehenes Wesen. Eigentlich ist es ja ganz witzig, denn bei uns ist es ja genauso, eben nur umgekehrt. Ich habe mir noch etwas zu trinken geholt, noch mal die Toilette besucht und einen Zwischenstop im Nebenraum eingelegt. Den richtigen Checkin hatte ich gleich gefunden und wir Passagiere wurden mit Bussen zu unserem Flugzeug gebracht. Mein Nebensitzer jetzt: ein riesiger, muskelbepackter Russe ohne Mimik. Na das kann ja mal heiter werden, on ich den fragen kann mall aufzustehen, um mich auf die Toilette durch zu lassen? Aber er verhielt sich ganz friedlich. Hat sich ständig Wein bringen lassen den er dann wiederum mit einem Tässchen Tee und Zitrone hinunter schlürfte.

Die Leuchtschrift „bitte anschnallen!“ blinkte plötzlich energisch auf und die Mitarbeiter forderten jeden einzeln auf sich anzugurten. Hektik brach aus und ich wusste nicht was jetzt passiert, ich konnte ja auch niemanden fragen. Das Flugzeug begann immer wieder plötzlich zu sinken. Stürzen wir ab?, waren meine Gedanken. Ich lese mir zur Sicherheit noch mal die Hinweise durch, wie die Gasmasken und Schwimmwesten funktionieren. Ich muss leicht blass ausgesehen haben, denn der Steward brachte mir Saft und fragte ob alles in Ordnung sei. Dann endlich die Entwarnung, es waren „nur“ Turbulenzen. Wenn es weiter nichts ist…

Es ist 14.30 Ortszeit und wir sind mit einer dreiviertel Stunde Verspätung gelandet. Jetzt aber zackig an der Immigrationsbehörde vorbei und den Rucksack abholen. Oh Nein. Ich sehe ich! Ich kann meinen aufgestauten Tränenberg nicht zurückhalten und schluchze nur so vor mich hin. Er hat mir doch versprochen sich nicht an die Glasscheibe zu stellen, die uns jetzt noch trennt. Jetzt sehe ich leicht verschwommen mein Gepäck, schnappe es mir und stolpere mehr oder weniger mit dem Trolli durch den Ausgang um meinem Auswanderer in die Arme zu fallen. Heul, trän, schluchz. Ich war einfach nur happy ihn endlich wieder so nah bei mir zu haben. Auf diesen Moment hatte ich mich am meisten gefreut und nun war er da. Hach schön!

Wir fuhren mit der MRT, der selbständigen Straßenbahn in Singapur, die ohne Fahrer fährt, Richtung Clementi Road zu Carstens Apartment. Alles ist sehr verwinkelt und mit vielen Treppen und gleichen Häusern. Er wohnt hier echt schön, etwas außerhalb und sehr grün. Die Wohnung ist recht groß für asiatische Verhältnisse, nur das Mobiliar ist halt eben nicht mehr das neuste, aber es funktioniert und ist Dank Carsten frei von Ungeziefer und sauber.

Wir packten aus und richteten es uns für eine Nacht ein. Dann ging´s ab unter die Dusche, denn nach 24 Stunden um die Welt fliegen riecht man nicht gerade nach Ives Rocher.
Nachdem ich mich wieder einigermaßen wie ein Mensch fühlte, machten wir uns auf den Weg zu einem vegetarischen Coffeshop und Mr. Bereits-fast-schon-Einheimischer bestellte für mich gebratenen Reis mit Gemüse und Ananas. Mmh, das war lecker. Trotz eines Bärenhungers, da ich eine Mahlzeit im Flieger wohl verschlafen hatte, schaffte ich meine Portion nicht ganz. Hier bekam ich also den ersten Eindruck des Landes: Menschen sitzen am Straßenimbiss, quatschen, essen und trinken Bier.

Wir bummelten gemeinsam ganz gemütlich durch das Zentrum der Reisenmetropole und ich hatte mit der Zeitverschiebung, sowie mit dem so genannten Kulturschock zu kämpfen. Alles ist so anders hier. So ungewohnt und fremd. Und für Carsten ist dies zur zweiten Heimat geworden und alles so selbstverständlich. Wir haben uns ein Eis an der Ecke geholt und uns das Wahrzeichen der Stadt, den Löwen angesehen. Meine Füße taten weh, die Hitze machte mir zu schaffen und überhaupt hatte ich so lange darauf gewartet hier her zu kommen und nun soll es so weit sein? Es war einfach alles zu viel für mich. Ich brauchte ein Bier, das wir dann zum Ausklang des für mich sehr, sehr langen Tages an einem Straßencafe bestellten und ich anschießend müde und erschöpft, aber wahnsinnig glücklich ins Bett fiel.

 


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